Übersäuerung und Gastritis – die Zusammenhänge

Übersäuerung und Gastritis - Die Zusammenhänge

Bei einer Gastritis wird als Ursache oft von einer Übersäuerung gesprochen.

Auch Heilpraktiker und viele Naturheiler führen eine Vielzahl von Krankheiten auf Übersäuerung zurück – meinen damit allerdings etwas grundlegend Anderes.

Irrtümer und Missverständnisse in Bezug auf die beiden Begriffe führen oftmals zu ungeeigneten und oft sogar kontraproduktiven Behandlungsversuchen, die die Beschwerden in manchen Fällen sogar noch verschlimmern können.

Welche Zusammenhänge es zwischen Säure-Werten im Körper gibt, und welche Säure-Krankheiten die Heilpraktiker meinen, wird in diesem Beitrag beleuchtet.

Säuren im Magen

Unser Magen verwendet Säure, um Nahrungsbestandteile aufzuspalten. Im Wesentlichen enthält der Säure-Cocktail im Magen Salzsäure neben bestimmten Verdauungsenzymen.

Salzsäure ist eine sehr aggressive Säure und dementsprechend ungemütlich ist das Klima im Magen-Inneren: pH-Werte von bis zu 1,1 führen dazu, dass praktisch alles in kürzester Zeit restlos zersetzt wird, was hineingelangt.

Damit der Magen selbst durch diese Säure-Bäder keinen Schaden nimmt, muss die Magenschleimhaut in der Lage sein, diese Säuren auch wieder zu neutralisieren beziehungsweise abzupuffern.

Nach erfolgter Verdauung im Magen sollte der saure Speisebrei weiter in den Dünndarm gelangen, und das Klima im Magen wieder neutralisiert werden.

Ist jedoch zu viel Magensäure vorhanden und die Magenwand nicht mehr in der Lage, die Säure abzupuffern, kann sie mit der Zeit Schaden nehmen. An einzelnen Stellen entstehen Entzündungen, fallweise auch Geschwüre.

Mit der Zeit entzünden sich immer größere Teile der Magenschleimhaut. (Man spricht dann von einer Gastritis bzw. Magenschleimhautentzündung.)

Wenn die Magensäure nach oben gelangt, führt das zu saurem Aufstoßen, Sodbrennen und einem brennenden oder drückenden Gefühl in der Magengegend. Das Hochdrücken der Magensäure in die Speiseröhre (Sodbrennen) nennt man medizinisch auch Reflux.

Nicht alle Gastritis-Arten sind durch ein Übermaß an Magensäure verursacht – sie spielt aber immer eine zusätzliche Rolle.

Sehr häufig wird die Gastritis heute durch eine bakterielle Infektion mit Heliobacter pylori verursacht, die dann aber sekundär wiederum die natürliche Säureregulation des Magens stark stört.

Bei rund 10 Prozent aller Gastritis-Erkrankten spielen dagegen bestimmte chemische Verbindungen eine Rolle bei der Entzündung (Zurückfließen von Gallensaft, Rauchen, Alkohol, bestimmte Medikamente).

Dadurch wird die Magensäure noch aggressiver, und viele dieser Verbindungen lassen ein völliges Puffern nicht mehr zu.

Eine Gastritis kann man sich jedoch durchaus auch dann zuziehen, wenn man den Magen ständig dazu veranlasst, eine hohe Menge an Magensäure zu produzieren.

Die Magenschleimhaut ist dann mit der Pufferung mit der Zeit überfordert, und es entstehen die bekannten Schäden an der Magenschleimhaut. Ein Zuviel an Magensäure nennt man medizinisch Hyperazidität.

Säuren im Körper

In unserem gesamten Körper herrscht ein bestimmtes Säure-Basen-Gleichgewicht. Besonders wichtig ist dabei das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut.

Durch chemische Prozesse im Körper verschiebt sich der pH-Wert in einzelnen Körperbereichen in den sauren Bereich und wird dann wieder durch natürliche Regulations-Mechanismen abgepuffert.

Umgekehrt können einzelne Stoffwechselvorgänge seltener auch basische Milieus hervorrufen, die danach wieder ausgeglichen werden müssen. Es geht hierbei nicht um den Magen, sondern um den Körper als Ganzes.

Die von vielen Naturheilkundlern sehr unklar als „Übersäuerung“ beschriebenen Zustände bezeichnen ein „Entgleisen“ des Säure-Basen-Gleichgewichts im gesamten Körper. Dieses soll Übermüdung, Reizbarkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche hervorrufen.

Da es sich beim Säure-Basen-Haushalt um ein sehr komplexes Stoffwechselgeschehen handelt, kann man diese Zustände weder eindeutig definieren noch mit einfachen Mitteln („Basentabletten“) behandeln.

Eine Messung des pH-Werts im Blut oder im Urin bringt keinen verlässlichen Aufschluss über den Zustand des Säure-Basen-Gleichgewichts im Körper.

Ein erhöhter Blutsäurewert ist medizinisch zwar bekannt, hat allerdings nicht zwangsläufig mit den oben genannten Symptomen zu tun, sondern ist vielmehr ein Zeichen für andere Krankheiten. Hier sind dann jeweils Krankheiten-spezifische medizinische Behandlungsstrategien notwendig.

Mit dem pH-Wert im Magen hat das naturheilkundliche Übersäuerungs-Phänomen ebenfalls nichts zu tun.

Regelrecht gefährlich für Menschen mit Gastritis ist dabei die Einnahme von sogenannten „Basenprodukten“: Sie verringern die Verdauungsfähigkeit im Magen, was dazu führt, dass der Magen zum Ausgleich noch mehr Säure produziert.

Das ist jedoch kontraproduktiv, da die Säuremenge im Magen so übermäßig ansteigen kann.

Das von Naturheilkundlern beschriebene Phänomen kann man dagegen am ehesten als Mineralstoffmangel interpretieren.

Im Körper gelöste Mineralstoffe haben elektrische Eigenschaften und sorgen dafür, dass der Körper sowohl Säuren als auch Basen wirksam puffern kann.

Sind diese elektrisch geladenen Partikel nicht in ausreichender Menge in den Körperflüssigkeiten vorhanden, kann das Säure-Basen-Gleichgewicht nicht mehr aufrechterhalten werden und es entgleist. Übermäßig hohe Säurewerte bleiben in einzelnen Körperbereichen erhalten.

Ein Großteil der Bevölkerung in westlichen Industrienationen leidet unter einem ausgeprägten Mineralstoffmangel.

Das hängt einerseits mit der Ernährung zusammen (Mineralstoffe sind praktisch ausschließlich in Gemüse in hohen Mengen vorhanden), andererseits aber auch mit der Lebensweise: Stress, übermäßige Muskelaktivität (Sport), Rauchen und Alkohol sowie Schlafmangel und unausgewogene Ernährung mit vielen industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln führen zu einem stark erhöhten Mineralstoffverbrauch.

Wenn diese Mineralstoffe nicht in ausreichender Menge zugeführt werden, kommt es im Laufe der Zeit zum Entgleisen des Systems.

Empfehlungen für Menschen mit Gastritis

Die „Übersäuerung des Körpers“ hat nichts mit einem Zuviel an Magensäure zu tun. Diese beiden Phänomene sind getrennt voneinander zu betrachten.

Deshalb sollten Sie nicht irgendwelche Wundermittel („Basenpulver“, „basisches Wasser“, und Ähnliches) zu sich nehmen, um Ihre Gastritis zu behandeln.

Das ist kontraproduktiv. Durch das Vorhandensein von basisch wirkenden Stoffen im Magen wird die Magensäureproduktion noch zusätzlich angeregt, und Sie können damit Ihre Gastritis sogar noch verschlimmern.

Natürlich sollten Sie aber für einen ausgewogenen Mineralstoffhaushalt sorgen.

Auch für Heilungsprozesse im Körper und die Bekämpfung von Entzündungen wie Ihrer Gastritis, ist ein ausgewogener Mineralstoffhaushalt unerlässlich.

Sorgen Sie dafür aber auf natürlichem Weg: Essen Sie viel frisches Gemüse, trinken Sie ausreichend Wasser und vermeiden Sie möglichst Schlafmangel, Alkohol und Rauchen sowie industriell hergestellte oder verarbeitete Nahrungsmittel.

Um eine erhöhte Säureproduktion im Magen zu vermeiden, sollten Sie regelmäßige Mahlzeiten einnehmen und nicht ständig an etwas rumknabbern, damit die entstandene Magensäure in den Ruhephasen auch wieder entsorgt werden kann.

Meiden Sie säurebildende, schwer verdauliche und fettige Lebensmittel am Abend.

Die Hauptmahlzeit sollte möglichst zwischen 10 und 14 Uhr eingenommen werden, abends sollten Sie nur sehr leicht essen (auch kein rohes Gemüse oder saures Obst, dessen Verdauung den Magen übermäßig belastet).

Essen Sie in Maßen und ausgewogen. Sie können mit Ihrem Arzt auch eine Heilwasserkur besprechen. Heilwasser gilt in Deutschland als Arzneimittel – und sollte auch so angewendet werden.

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