Psychische Faktoren bei chronischer Gastritis

Psychische Faktoren bei GastritisWie bereits Winston Churchill meinte, verhält es sich mit dem Geist wie mit dem Magen.

Beiden können nur Dinge zugetraut werden, die sie auch verdauen können.

Die Gastritis als akute oder chronische Magenschleimhautentzündung zählt zu den häufigsten Magenerkrankungen.

Als Ursachen werden unter anderem Bakterien, Medikamente, Alkohol, infektiöse Erkrankungen, aber auch falsche Essgewohnheiten und Überlastung angeführt.

Chronische Gastritis vs. akuter Gastritis

Die akute Gastritis heilt oft auch ohne spezielle Therapie relativ schnell aus.

Dagegen kann eine chronische Gastritis in weiterer Folge zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren führen. Erbliche Faktoren dürften dabei eine Rolle spielen, worauf das familiäre Auftreten von Magen-Darm-Geschwüren (Ulcera) hinweist.

Das Gleichgewicht zwischen schleimhautschützenden und schleimhautaggressiven Faktoren ist gestört.

Etwa zehn Prozent der Menschen sind im Laufe ihres Lebens einmal davon betroffen und leiden unter Symptomen wie krampfartigen Bauchschmerzen, Sodbrennen, Erbrechen oder Verstopfung.

Die chronische Gastritis kann sich durch ähnliche Symptome äußern, öfters weist sie aber auch unspezifische bis keine Symptome auf und wird dadurch schwerer diagnostiziert.

Häufigster direkter Auslöser für die chronische Gastritis ist der Heliobacter-pylori-Keim. Aber auch äußere Auslöser wie z.B. Schmerzmittel können für eine chronische Gastritis verantwortlich sein oder sie tritt als Autoimmunerkrankung auf.

Die sprachliche Bedeutung unseres Verdauungstraktes

Die Verbindung zwischen Magen und Psyche ist keine neue Entdeckung.

Bereits die Sprache zeugt umfangreich von der Bedeutung und gegenseitigen Beeinflussung von Magen und Gemütszustand.

Negative Ereignisse „schlagen uns auf den Magen“, aber auch schöne Dinge wie die Liebe, gehen ebenfalls „durch den Magen“. Umgekehrt werden bei leerem Magen „alle Übel doppelt schwer“ bewertet. Diese sprachliche Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

All diese Sprüche stehen für die Wichtigkeit einer gesunden Psyche für unseren Verdauungstrakt, aber auch für die Bedeutung eines gesunden Magens für unsere psychische Gesundheit.

Unserem Magen, bzw. Bauch wird außerdem einiges zugetraut. So wird heute wieder mehr auf das Bauchgefühl vertraut und so manche Entscheidung wieder aus „dem Bauch heraus“, sprich intuitiv, getroffen.

Auch eine sozialpolitische Bedeutung, die bereits Napoleon erkannte, kann dem Magen zugeschrieben werden. So kommen doch laut ihm „alle Revolutionen aus dem Magen“.

Der Magen als zweites Gehirn

Was ist nun dran an diesen sprachlich-mystischen Verbindungen?

Ziemlich viel, wie amerikanische Neurowissenschaftler nun bestätigen. Sie konnten das im Volksmund seit Jahrhunderten bekannte Bauchgefühl wissenschaftlich untermauern, indem sie feststellten, dass der Darm mehr Neuronen als das Rückenmark enthält.

Diese Neuronen umspannen den gesamten Verdauungstrakt wie ein dünnes Netz. Der Magen als zweites Gehirn ist dabei fast ein Abbild des Kopfhirns, da sich deren Wirkstoffe, Zelltypen, sowie Rezeptoren als identisch erweisen.

Der Darm ist nicht nur als Teil eines hochkomplexen Verdauungsapparates zu betrachten, sondern nun mehr auch als Quelle psychoaktiver Substanzen, welche Ihre Stimmungslage direkt beeinflussen können.

Experimente zeigten, dass unser Darmhirn bewusste Alarmsignale, wie z.B. den Brechreiz, aber auch unbewusste Botschaften in den Kopf schickt.

Während das Kopfhirn auf Prozesse in Mund, Speiseröhre und Magen noch mehr Einfluss ausüben kann, übernimmt ab dem Magenausgang das Nervensystem im Bauch die Regie.

Das Darmhirn steuert Nachbarorgane, koordiniert Infekt-Abwehr und Muskelbewegungen und verfügt über 40 verschiedene Botenstoffe, die sofort auf jede Veränderung reagieren können.

Psychosomatische Medizin

Die chronische Gastritis kann als ein psychosomatischer Klassiker bezeichnet werden, schlucken Sie doch Ihren ganzen Ärger hinunter.

Kein Wunder also, dass das irgendwann Ihrem Magen zu viel wird. So könnte man es aus dem Volksmund heraus beschreiben.

Wissenschaftlich betrachtet kann die Heilung als auch das Entstehen der chronischen Gastritis durch Entspannung, sowie durch eine geschwürbegünstigende Lebensweise gefördert werden.

Das Zwischenhirn funktioniert als Brücke zum Gehirn und steuert alle Hormone.

In einer Angst- oder Stresssituation wird eine Reaktion im Gehirn ausgelöst, die an die Nebenniere weitergeleitet wird, die ihrerseits wiederum das Stresshormon Cortisol freisetzt. Die Atmung beschleunigt sich, das Herz schlägt schneller, der Körper begibt sich in Alarmbereitschaft.

Für diesen Zustand benötigen Lunge, Herz und Muskeln Energiereserven, die sie direkt aus dem Magen-Darm-Trakt abziehen. In diesen Momenten wird die normale Verdauungstätigkeit eingestellt, vielleicht ein leichtes Bauchdrücken oder Übelkeit ausgelöst.

Reagieren Menschen sehr sensibel auf Stress, was zum Teil angeboren, zum Teil erworben bzw. in der Kindheit „gelernt“ ist, belasten sie damit ihre Verdauungsorgane übermäßig.

Dies kann zu Magen-Darm-Erkrankungen wie der chronischen Gastritis führen.

Psychische Faktoren bei der Gastritis-Behandlung und Prävention

Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass sich eine Änderung der psychischen Verfassung der Patienten positiv auf den Heilungsprozess von chronischer Gastritis und Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren auswirkt.

40 bis 50 Prozent der Patienten wurden sogar durch Scheinmedikamente ohne Wirkung, sogenannte Placebos, geheilt. In vielen Fällen bilden sich Geschwüre auch spontan zurück.

In diesem Zusammenhang soll ein interessanter Zweig der Medizin nicht unerwähnt bleiben, die Salutogenese. So nannte der Medizinsoziologe Antonovsky sein Konzept, das sich im Gegensatz zur Pathogenese -„Warum werden wir krank?“- damit beschäftigt, woran es liegt, dass wir gesund bleiben.

Seine Untersuchungen zeigen, dass vor allem gut entwickelte emotionale, menschliche und soziale Kompetenzen, das „Gesundheitsrisiko“ erhöhen. Faktoren wie Optimismus, ein starker Familienverband und auch regelmäßige Strategien zur Entspannung fördern die Gesundheit und beugen Krankheiten vor.

Belastende Ereignisse können nach Antonovsky leichter und mit weniger Stress verarbeitet werden, wenn ein Mensch das Gefühl hat, sie zu verstehen, über genügend Ressourcen zu verfügen, um mit ihnen umgehen zu können und den Ereignissen auch einen Sinn, eine Bedeutung geben kann.

Abschließend noch drei Tipps für ein „magenfreundlicheres Leben“ ohne chronische Gastritis:

  • Sorgen Sie sich um sich selbst und Ihre psychosoziale Gesundheit. Das ist kein egoistischer Akt. Denn von Ihrem Wohlbefinden wird auch Ihre nähere Umgebung profitieren.
  • Gehen Sie achtsam mit selbstverordneten Medikamenten um, vor allem mit Schmerzmittel, die oft den Magen unnötig belasten.
  • Pflegen Sie einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung und reduzieren Sie säurefördernde Wirkstoffe wie Kaffee, Alkohol, Tee, Zitrusfrüchte oder Nikotin.

Ihr Magen wird es Ihnen danken!

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